WordPress oder TYPO3?

Welches ist das richtige Enterprise-CMS für professionelle Webprojekte?

Viele Websites werden heute mit Content-Management-Systemen (kurz CMS) realisiert. Ein CMS ist eine Software, die es Anwendern erlaubt, auch ohne Programmierkenntnisse die Inhalte ihrer Website einfach zu verwalten und zu ändern. 

Zwei der im deutschen Markt am häufigsten eingesetzten CMS sind WordPress und TYPO3. Kein Wunder, denn mit beiden Systemen lassen sich exzellente Websites in verschiedenen Größen und Komplexitätsgraden erstellen. 

Früher wurde WordPress nahezu ausschließlich für Blogs verwendet. Mittlerweile hat es sich aber zu einem leistungsfähigen CMS gewandelt. Es braucht den Vergleich mit TYPO3 oder anderen beliebten CMS nicht mehr zu scheuen. 

Unser Vergleich liefert daher lediglich Tendenzempfehlungen und nicht etwa KO-Argumente, die eines der beiden Systeme für bestimmte Anwendungszwecke kategorisch ausschließen. Dennoch haben beide Systeme ihre besonderen Stärken. Es lohnt sich also, die Entscheidung nicht allein aus dem Bauch heraus zu treffen, sondern anhand nachvollziehbarer und relevanter Kriterien. Dabei möchten wir im Folgenden praxisnah unterstützen. 

Der Beitrag richtet sich an professionelle Anwender, die WordPress oder TYPO3 im kommerziellen Umfeld als Enterprise-CMS betreiben möchten. Er beruht teils auf Fakten, teils auf Erfahrung. Hier und da mag er daher durchaus subjektiv ausfallen und als Meinung gelten. Wir haben durchweg versucht, unsere Einschätzungen transparent zu machen und sie klar zu begründen. 

 

1. Verbreitung

Laut Statista liegt der weltweite Markanteil von WordPress bei CMS bei über 60 Prozent. TYPO3 kommt weltweit gerade einmal auf 1,4 Prozent. Dabei ist zu beachten, dass WordPress auch in sehr vielen kleinen und auch privaten Projekten eingesetzt wird. Dementgegen wird TYPO3 in der Regel als Enterprise CMS genutzt. TYPO3 ist vor allem in Deutschland verbreitet. Hier liegt der Marktanteil deutlich im zweitstelligen Prozentbereich. Wir gehen von 15 bis 20 Prozent aus. Der deutsche Mittelstand nutzt TYPO3 traditionell besonders stark. Auch Verbände, große Vereine und Institutionen greifen auf TYPO3 zurück. 

Wir gehen auf die Verbreitungszahlen und ihre Implikationen unter dem Punkt Sicherheit nochmals ein. 

 

2. Open-Source

Sowohl WordPress als auch TYPO3 sind Open-Source-CMS. Das bedeutet, dass der Quellcode der Systeme offen liegt. Jeder Interessierte kann sich die Code-Basis der Funktionalitäten anschauen und Erweiterungen oder Designs entwickeln. 

Um beide Systeme hat sich eine rege Open-Source-Community gebildet, die das Basis System nicht nur durch neue Funktionalitäten ergänzt, sondern Anwender auch mit vielen Ratschlägen unterstützt. 

Da sie Open-Source sind, fallen weder für WordPress noch für TYPO3 Lizenzgebühren an. Anwender begeben sich nicht in die Abhängigkeit eines Software-Unternehmens und dessen Preispolitik. 

 

3. Erweiterungen: Plugins/Extensions, Themes/Templates

Beide Systeme sind nahezu beliebig erweiterbar. Bei WordPress heißen die funktionalen Erweiterungen Plugins und bei TYPO3 Extensions. Das Design wird über sogenannte Themes (bei WordPress) oder Templates (bei TYPO3) implementiert. 

Aufgrund des Open-Source-Prinzips können individuelle Plugins und Extensions für besondere Anforderungen schnell entwickelt werden. Das Gleiche gilt für Themes und Templates.

Auf den integrierten Marktplätzen der Systeme werden aber auch bereits zahlreiche fertige Erweiterungen angeboten. Für das weltweit stark genutzte WordPress werden deutlich mehr Plugins angeboten. Aber auch für TYPO3 gibt es ein attraktives Angebot mit gutem oft deutschsprachigem Support. 

Die Nutzung von Erweiterungen ist entweder kostenlos oder mit eher geringen Lizenzkosten verbunden. In der Regel fallen hier für WordPress-Plugins weniger Kosten an als beim Aufstocken von TYPO3. Wobei das Basissystem von TYPO3 mehr Funktionen bietet, also weniger auf Erweiterungen angewiesen ist. Auch die Installation ist bei WordPress etwas einfacher. Bei der Konfiguration hängt der Aufwand von der jeweiligen Erweiterung ab. 

 

4. Updates des Basissystems

Für WordPress kommen ständig neue Updates heraus, leider nicht immer ohne neue Sicherheitslücken. Ansonsten lässt sich der Updatevorgang des Basissystems in der Regel unproblematisch an. Auch der Wechsel auf eine neue Version verläuft zumeist reibungslos und mit überschaubarem Aufwand. 

TYPO3 fährt ein etwas anderes Update-System. Hier werden Versionen mit Long-Time-Support (LTS) angeboten. Sie laufen in der Regel stabil. Probleme werden zügig mit Patches versehen. Da die LTS-Version, wie der Name schon sagt, über einen längeren Zeitraum unterstützt werden, ist ein Versionswechsel nur selten notwendig. Wenn er anfällt, ist er aber aufwändiger als bei WordPress. 

Bei Updates kann es zu Problemen mit installierten Plugins oder Extensions kommen, die noch nicht auf den neuesten Stand gebracht wurden. Nutzt man viele Plugins wie bei komplexen WordPress-Seiten, steigt das Update-Risiko entsprechend an.

 

5. Benutzerfreundlichkeit und Struktur

Beide CMS bieten ein gut funktionierendes Backend, das auch über mobile Geräte komfortabel bedient werden kann, wenn eine Änderung mal schnell von unterwegs vorgenommen werden soll. 

WordPress gilt insgesamt als etwas intuitiver in der Bedienung. Webaffine Mitarbeiter arbeiten sich in kürzester Zeit in die Funktionen ein. 

Das Backend von TYPO3 hat sich mit den letzten Versionen extrem verbessert. Wer noch die alten abstrakten Strukturen der frühen Versionen kennt, wird von der neuen ebenfalls sehr intuitiven Bedienoberfläche begeistert sein. Dennoch benötigt die Einarbeitung hier etwas mehr Zeit, was oft auch damit zu tun hat, dass es sich um komplexe Projekte handelt. 

TYPO3 organisiert die Inhalte von Haus aus in einer übersichtlichen Baumstruktur. Das ist sehr logisch und übersichtlich, insbesondere bei großen Seiten. WordPress zeigt Artikel und Seiten als einfache Listen an. Der Zugriff ist damit direkter. Wächst eine Seite, wird es schnell unübersichtlich. Plugins können Abhilfe schaffen. 

 

6. Hosting

Beide Systeme sind auf so gut wie jedem Webserver zu betreiben. Allerdings empfiehlt es sich, auf die Hosting- oder Serverpakete von spezialisierten Providern zurückzugreifen. Denn das Hosting ist ein für die Performance, die Stabilität und die Sicherheit einer Website entscheidender Faktor. 

Für WordPress ist das Angebot deutlich größer und im Durchschnitt etwas kostengünstiger als für TYPO3. Wobei die wirklich guten WordPress-Hosting-Angebote unserer Erfahrung nach deutlich über dem Durchschnittspreis liegen. 

Für beide CMS gibt es Anbieter für Managed Hosting, bei dem kleinere Updates automatisch durchgeführt werden. Vor allem für Websites mit wenig Funktionalitäten und Erweiterungen ist diese Option gut geeignet, da sie den Betreuungsaufwand wesentlich reduziert. Dafür bieten diese Managed Hosting Pakete allerdings in der Regel weniger Konfigurationsmöglichkeiten. 

 

7. Performance und Stabilität

Die Performance einer Website hängt wesentlich von der Leistungsfähigkeit und Konfiguration des Webservers ab, auf dem sie läuft. Wir gehen bei den folgenden Überlegungen zur Performance des CMS selbst davon aus, dass der Webserver optimal gewählt ist. 

Das Basissystem von WordPress ist ein Leichtgewicht und mit der richtigen Konfiguration pfeilschnell. Auch das Basissystem von TYPO3 zeigt eine sehr gute Performance, die richtige Konfiguration von System und Server vorausgesetzt. 

Probleme können bei jedem CMS auftreten, wenn viele Erweiterungen installiert werden. Besonders bei WordPress führen einige Extensions zu Performance-Problemen. Bisweilen zeigen WordPress-Installationen bei hoher Last Schwächen. Auch kann es bei WordPress vorkommen, dass sich Extensions gegenseitig behindern. Die Fehlersuche in solchen Fällen, die Umkonfiguration oder die Suche nach Ersatz-Extensions sind manchmal nervenaufreibend und aufwändig. 

Hier erscheint uns TYPO3 weniger anfällig. Die Tatsache, dass es von Haus aus mehr Funktionalität (etwa bei der Benutzerverwaltung) mitbringt, zahlt sich bei der Robustheit aus. Das System inklusive Extensions läuft insgesamt stabiler. Hohe Besucherzahlen sind ebenso kein Problem, wie eine ausladende Seitenstruktur mit vielen Unterseiten. 

 

8. Sicherheit

Die Communities von WordPress und TYPO3 arbeiten kontinuierlich an der Verbesserung der Sicherheit ihrer Systeme. Trotzdem treten bei beiden CMS wie bei jeder anderen Software auch regelmäßig neue Sicherheitslücken zutage. Sie müssen schnellstmöglich geschlossen werden. Beide Communities informieren über aktuelle Sicherheitsprobleme zeitnah und unterstützen zügig mit Updates. 

Sowohl WordPress als auch TYPO3 basieren auf der Programmiersprache PHP. Damit erben sie die typischen Sicherheitsprobleme von PHP, die entsprechende Maßnahmen bei der Konfiguration  der CMS und des Webserver erfordern. Ohnehin ist das größte Sicherheitsrisiko nicht das System selbst, sondern eine nachlässige Administration von System und Server. 

Insgesamt halten wir TYPO3 für besser geeignet, eine optimale Sicherheitsstufe effizient zu erreichen. Aus folgenden Gründen:

  • Die sehr große Verbreitung von WordPress macht es zu einem attraktiveren Angriffsziel. Eine Suche nach TYPO3 auf www.exploit-db.com kommt auf unter 20 Treffer. Bei der Suche nach WordPress werden über 1000 bekannte Schwachstellen angezeigt. 
  • Bei den Entwicklern von TYPO3 besitzt Sicherheit einen sehr großen Stellenwert. Ein sehr aufmerksames TYPO3 Security Team wacht über die aktuelle Sicherheitslage und die Weiterentwicklung des Systems. 
  • Vor allem Erweiterungen bergen Sicherheitsrisiken. Jedes verwendete Plugin und jede Extension muss unter Sicherheitsaspekten geprüft und bewertet werden. Da bei WordPress die geringe Grundfunktionalität mit in der Regel zahlreichen Plugins ergänzt werden muss, erhöhen sich das Sicherheitsrisiko und Absicherungsaufwände entsprechend. 

 

9. Benutzerverwaltung

Als native CMS bietet TYPO3 eine sehr differenzierte Benutzerverwaltung, die eine Rollenverteilung mit entsprechenden Rechten für Redakteure und Administratoren ermöglicht. Auch ein Frontend-Login ist ohne großen Aufwand anzulegen und zu verwalten. 

Bei WordPress muss auf entsprechende Plugins zurückgegriffen werden. 

 

10. Multi-Site und Multi-Language

Bei TYPO3 sind Multi-Site- und Multi-Language-Funktionalitäten integriert. Sie funktionieren sehr gut. WordPress hingegen muss für eine Multi-Site speziell angepasst werden. Die Mulit-Language-Funktionalität wird bei WordPress über eine Plugin realisiert. Suchmaschinenoptimierung und Mulit-Language arbeiten nicht perfekt zusammen. 

Hier bietet TYPO3 insgesamt die bessere Lösung.

 

11. Suchmaschinenfreundlichkeit

Beide Systeme sind gut für die Suchmaschinenoptimierung vorbereitet. Keywords, Descriptions und Seitentitel lassen sich separat optimieren. Sprechend URL und XML-Sitemaps können erzeugt werden. Auch können Nutzungsdaten an Google Analytics gesendet werden. WordPress bietet einige gute Plugins zum Thema. 

 

12. Dienstleisterdichte

Sowohl für WordPress als auch für TYPO3 gibt es aufgrund ihrer hohen Verbreitung in Deutschland ein dichtes Netz an kompetenten Dienstleistern. 

Unser Eindruck ist allerdings, dass die wirklich kompetenten WordPress-Agenturen, die auch komplexere Aufgaben wie Sicherheitsfragen oder individuelle Erweiterungen tatsächlich beherrschen, etwas schwerer zu finden sind. 

Der Grund hierfür liegt darin, dass es auch sehr viele weniger versierte Anbieter gibt. Praktisch jeder, der privat oder professionell etwas mit der Erstellung von Websites zu tun hat, ist der Auffassung, Projekte mit WordPress realisieren zu können. Was prinzipiell ja auch nicht falsch ist. Es kommt eben auf den Komplexitätsgrad an. 

Daher ist es für einen Auftraggeber auf der Suche nach einem wirklich leistungsfähigen WordPress-Dienstleister etwas schwieriger, die Spreu vom Weizen zu trennen. 

TYPO3 fordert allein aufgrund der eigenen Konfigurationssprache Typoscript von Entwicklern recht spezielle Kenntnisse. Das schreckt Generalisten eher ab. Das Angebot ist übersichtlicher.

 

13. Kosten

Bei einfachen kleinen und mittelgroßen Projekten ist WordPress in fast allen Bereichen deutlich kostengünstiger. Bei Entwicklung, Hosting und Wartung ist mit weniger Kosten als bei TYPO3 zu rechnen. Eine Ausnahme bildet der Bereich Sicherheit, der allerdings bei kleineren Projekten ohnehin leider oft vernachlässigt wird. 

Bei komplexeren oder umfangreicheren Projekten besteht dieser Kostenvorteil nicht mehr ohne Weiteres. Da der größte Teil des Aufwands bei diesen Projekten durch spezielle Funktionalitäten und das Handling vieler paralleler Funktionen entsteht, fallen die Aufwände des Basissystems weniger ins Gewicht. Hier kommt es daher auf den Einzelfall an. 

 

14. Affinität im Team

Ein Entscheidungsfaktor, der oft wenig diskutiert wird, ist die Affinität der betroffenen Mitarbeiter für das eine oder andere System. Natürlich sollte dies nicht das Hauptkriterium sein, insbesondere weil WordPress und TYPO3 sehr gut erlernbar sind. Wenn ein Systemvergleich aber ein Unentschieden nach Abwägung aller anderen Punkte ergibt, kann die Affinität das Zünglein an der Waage sein. Zurecht, wie wir finden. Wenn man sein Team glücklich machen kann, sollte man es auch tun.

 

Fazit: die Faustregeln zum Schluss
  • Bei kleinen Budgets und einfacheren Projekten, bei denen es vorwiegend um die umkomplizierte Veröffentlichung von Inhalten geht, ist WordPress klar die erste Wahl. 
  • Je komplexer, erweiterbarer und größer ein Projekt angelegt ist, umso eher empfiehlt sich der Einsatz von TYPO3. 
  • Für Projekte, die irgendwo in der Mitte liegen, sollte man die Anforderungen zunächst priorisieren und sie dann im Detail abwägen.